Wenn Weltklasse im Kreis fährt

Beitrag veröffentlicht am: 09.07.2026 Kategorien: Alle News Einblick
Neben den etablierten Hoffnungsträgern Heimo Fugger, Raphael Kokas und Franz Josef Lässer waren auch die vielversprechenden Nachwuchstalente Wiro Grill, Niklas Wiesmayer, Sophie Walcher oder Lea Unterköfler im hello yellow Velodrom dabei. © SCH/M.Reichl

#EINBLICK | Zwischen Olympiaträumen, Junioren- und U23-Europameisterschaften und einem Weltrekordversuch: Im hello yello Velodrom in Linz wurde am 3. Juli 2026 fleißig trainiert. Österreichs aufstrebende Rad-Elite bereitete sich auf einen intensiven Rennsommer vor. Wo normalerweise Hobbyfahrer und ambitionierte Amateure ihre Runden drehen, wurde plötzlich um Hundertstelsekunden, Höchstleistungen und historische Momente gekämpft.

Es war ein ganz normaler Donnerstag im Schachermayer Velodrom Linz – fast jedenfalls. Denn statt gemütlicher Trainingsrunden drehten an diesem Tag die Nachwuchshoffnungen des österreichischen Bahnradsports ihre Runden. Jeder Tritt sitzt, jeder Blick ist konzentriert, jede Runde verfolgt ein klares Ziel. Während draußen der Sommer langsam Fahrt aufnimmt, liefen auf der 200 Meter langen Bahn die Vorbereitungen auf einige der größten Wettkämpfe des Jahres auf Hochtouren.

Bühne für große Ziele

Mitten im Geschehen: Franz-Josef Lässer. Der 25-jährige Steirer und Hybridathlet zählt längst zu den herausragenden Persönlichkeiten des internationalen Paracyclings und Radsports. Der amtierende Straßen-Weltmeister und Europameister im Zeitfahren, dazu Eliminations-Weltmeister des vergangenen Jahres, verfolgt derzeit ein weiteres außergewöhnliches Ziel. 

Am 6. August um 14 Uhr möchte er im Tissot Velodrom im schweizerischen Grenchen den Stundenweltrekord im Paracycling angreifen. Mehr als 52 Kilometer will er innerhalb von nur einer Stunde zurücklegen – eine körperliche und mentale Grenzerfahrung. „Seit über einem Jahr bereite ich mich auf diesen Versuch vor“, erzählt Lässer während einer kurzen Trainingspause. Der Tag im Linzer Velodrom gehört zwar ausnahmsweise nicht ausschließlich dem Rekordtraining, doch jede Einheit bringt wertvolle Erkenntnisse. Er fährt auf der Bahn, auf der Straße und auf Schotter. „Ich bin kein Para-Sportler, der auch bei den ‚Normalos‘ mitfährt. Ich bin ein Athlet. Punkt“, erzählt FJ, wie er von seinen Freunden genannt wird – und er beweist es regelmäßig eindrucksvoll.

Grenzen existieren nur im Kopf

Dass Franz-Josef Lässer überhaupt zu den Besten der Welt gehört, ist alles andere als selbstverständlich. Aufgrund eines Geburtstraumas fehlen ihm vier Finger der linken Hand. Was für viele das Ende sportlicher Träume bedeuten würde, wurde für ihn zum Ausgangspunkt einer außergewöhnlichen Karriere. „Am Anfang war es technisch eine Herausforderung, das Rad so zu konfigurieren, dass ich vor allem sicher bremsen kann“, erklärt er. Heute ist diese Hürde längst überwunden. Moderne Technik und viel Tüftelei machten möglich, was zunächst unmöglich schien. Seine Leidenschaft fürs Radfahren entstand bereits als Kind. Ein Radclub in unmittelbarer Nähe seines Zuhauses weckte früh die Begeisterung für den Sport. Aus ersten Ausfahrten wurden Wettkämpfe, aus Talent internationale Spitzenklasse. Aktuell richtet sich sein Fokus voll auf den Weltrekord. „Die Trainingsmöglichkeiten hier sind natürlich enorm wichtig für uns“, sagt Lässer und blickt auf die perfekte Bahn.

Österreichs Elite zusammen im hello yellow Velodrom

Lässer ist an diesem Trainingstag allerdings keineswegs der einzige prominente Name. Mit Raphael Kokas trainierte ein Olympiateilnehmer von Paris 2024 auf der Bahn. Heimo Fugger sammelt aktuell im „U23 UAE Team Emirates Gen Z“ wertvolle Erfahrungen auf internationalem Niveau und schnuppert regelmäßig World-Tour-Luft. Im selben Team wie Superstar Tadej Pogačar zu sein, ist eine besondere Chance, sich langsam an die Besten der Welt heranzutasten. 

Dazu kommen vielversprechende Nachwuchstalente wie Wiro Grill, Niklas Wiesmayer, Sophie Walcher oder Lea Unterköfler. Gemeinsam bilden sie jene Generation, die den österreichischen Bahnradsport in den kommenden Jahren prägen soll.

Die Ziele sind ambitioniert. Bereits wenige Tage nach dem Training stehen die Bahnrad-Europameisterschaften der Junioren und U23 von 7. bis 12. Juli 2026 im deutschen Cottbus auf dem Programm. Parallel laufen bereits die Vorbereitungen auf die Bahn-Weltmeisterschaften in Shanghai. Dazwischen warten ausgewählte internationale Straßenrennen in Europa. Der Trainingsalltag ist entsprechend intensiv. Mehrere Stunden täglich sitzen die Athletinnen und Athleten im Sattel. Auf der Straße werden häufig zweieinhalb bis fünfeinhalb Stunden absolviert – Durchschnittsgeschwindigkeiten um die 30 km/h und darüber sind dabei Standard.

Mehr als eine Trainingsstätte

Das hello yellow Velodrom hat sich längst als wichtiger Baustein im österreichischen Leistungssport etabliert. Die Bahn bietet Bedingungen, wie sie für professionelles Training notwendig sind: präzise, sicher und technisch auf höchstem Niveau. Für die Sportler bedeutet das die Möglichkeit, sich optimal auf internationale Großereignisse vorbereiten zu können. Gleichzeitig entsteht ein Ort, an dem sich Olympiateilnehmer, Weltmeister und hoffnungsvolle Nachwuchsfahrer gegenseitig inspirieren und antreiben. Hier entstehen nicht nur schnelle Runden. Hier wachsen neue Bestzeiten, internationale Erfolge und vielleicht schon bald ein neuer Weltrekord. Am 6. August richtet sich der Blick nach Grenchen in die Schweiz. Dort möchte Franz-Josef Lässer Radsportgeschichte schreiben. Die entscheidenden Kilometer dafür beginnen jedoch schon jetzt – Runde für Runde im hello yellow Velodrom Linz.

Update Bahnrad-Europameisterschaften: Goldener Schlusspunkt für Österreichs Bahn-Asse

Mit einer beeindruckenden Vorstellung haben Heimo Fugger und Raphael Kokas bei der U23- und Junioren-Europameisterschaft im Cottbuser Velodrom für rot-weiß-rote Jubelmomente gesorgt. Bereits zu Beginn der Titelkämpfe holte Fugger im Ausscheidungsrennen Silber, während Kokas bei den Junioren die Goldmedaillie im “Scratch” gewann. Den krönenden Abschluss lieferten die beiden gemeinsam im Madison der U23: Mit einer taktisch starken und kämpferischen Leistung fuhren sie sensationell zum Europameistertitel. Damit kehrt das österreichische Duo mit drei Medaillen aus Cottbus zurück und unterstreicht eindrucksvoll die Stärke des heimischen Bahnradsports.

Mehr Informationen finden Sie hier!

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