Die Baumhäuser von Richard Polsterer beginnen immer gleich – und entwickeln sich dann völlig unterschiedlich. Zuerst ein Schritt nach oben, dann noch einer. Während unten der Alltag bleibt, öffnet sich oben eine neue Perspektive. Genau dort setzt Polsterer an: Er baut nicht einfach, sondern gestaltet Räume, die wirken.
Schon im ersten Moment wird klar, dass es sich nicht um klassische Konstruktionen handelt. Vielmehr folgen die Häuser konsequent dem Baum. Dadurch entstehen Lösungen, die sich nicht aufdrängen, sondern sich einfügen. Gleichzeitig spielt Material eine zentrale Rolle: Holz, das lebt, altert und spürbar bleibt.
Vom Baum gedacht
Die Baumhäuser von Richard Polsterer entstehen direkt aus der Situation vor Ort. Einerseits analysiert er den Baum genau, andererseits entwickelt er erste Ideen oft direkt im Gelände. So entsteht Schritt für Schritt ein Konzept, das sich während des Bauens weiterentwickelt.
Ein prägendes Beispiel ist „Alles verboten“. Acht Meter über dem Boden, getragen von einer alten Pappel, zeigt dieses Projekt, wie Planung und Atmosphäre zusammenfinden. Der Aufstieg führt bewusst über eine schmale Treppe nach oben. Oben angekommen öffnet sich die Terrasse in die Landschaft.
Innen setzt Polsterer auf Materialien mit Geschichte. Ein Ofen vom Flohmarkt, Fenster aus einem alten Mühlengebäude und ein Bett aus Thujenholz schaffen eine eigene Stimmung. Gleichzeitig sorgt die Dämmung für ein stabiles Raumklima. So entsteht ein Ort, der nicht inszeniert wirkt, sondern gewachsen.
Projekte mit Charakter
Auch komplexere Projekte zeigen, wie flexibel die Baumhäuser von Richard Polsterer gedacht sind. Beim mehrstöckigen „Fluch der Karibik“ wird das besonders deutlich. Hier nutzt Polsterer die Struktur einer alten Linde und entwickelt mehrere Ebenen.
Zunächst entsteht eine Plattform, darauf folgen weitere Ebenen und ein Ausguck. Gleichzeitig bleibt die Konstruktion offen für Bewegung. Die Hütte selbst wird vorgefertigt und anschließend in die Höhe gehoben. Dadurch verkürzt sich die Bauzeit, während die Präzision erhalten bleibt.
Die Arbeitsweise bleibt dabei bewusst einfach. Einerseits arbeitet das Team mit Leitern, andererseits sichern sich die Handwerker mit Klettergurten. So bleibt der Zugang flexibel und der Eingriff in die Natur minimal.
Ein weiteres Beispiel ist die „Villa Kunterbunt“. Hier zeigt sich ein ganz anderer Ansatz. Farben, alte Fenster und verwittertes Holz prägen das Bild. Gleichzeitig bleibt die Konstruktion technisch durchdacht. Brücken, Geländer und Plattformen greifen ineinander und schaffen Sicherheit.
Dennoch wirkt nichts überkonstruiert. Vielmehr entsteht ein Gleichgewicht zwischen Gestaltung und Funktion. Genau das macht diese Projekte so besonders.
Am Ende verbindet alle Projekte ein gemeinsamer Gedanke. Die Baumhäuser von Richard Polsterer entstehen nicht nach Schema, sondern aus dem Baum heraus. Dadurch wird jedes Haus zum Einzelstück. Und genau deshalb bleibt das Gefühl: Man kommt oben an – und nimmt etwas mit nach unten.
