Der japanische Akustiker Yasuhisa Toyota verfolgte ein kompromissloses Ziel: Jeder Ton sollte auf jedem der rund 2.100 Plätze mit derselben Klarheit ankommen. Als Herzstück dieses Konzepts entwickelte er die sogenannte „Weiße Haut“ – eine aus mehr als 10.000 individuell gefrästen Gipsfaserplatten bestehende Wand- und Deckenverkleidung. Keine Platte gleicht der anderen. Ihre fein berechneten Vertiefungen lenken und streuen den Schall gezielt durch den Saal. Gleichzeitig sorgt die hohe Materialdichte dafür, dass die Verkleidung selbst nicht in Schwingung gerät. Denn Wände sollen in einem Konzertsaal nicht „mitspielen“, sondern den Schall kontrolliert reflektieren.
Details machen den Unterschied
Doch zwischen diesen mehr als 10.000 Unikaten verlaufen rund 15 Kilometer Fugen und genau dort entschied sich, ob das akustische Konzept funktioniert oder scheitert. Was auf jeder Baustelle wie ein unscheinbares Detail wirkt, wurde in der Elbphilharmonie zu einem entscheidenden Baustein der Klangqualität. Wären die Fugen nicht perfekt abgedichtet, könnte Schall hinter die Wandverkleidung gelangen, dort unkontrolliert reflektiert werden und als störendes Echo in den Konzertsaal zurückkehren.
Durchdachte Lösung
Gemeinsam mit Generalunternehmer HOCHTIEF entwickelte Tremco CPG, deshalb eine zweistufige Fugenlösung. Die erste Ebene bildet das vorkomprimierte Dichtungsband illbruck TP600 illmod 600. Ausschlaggebend waren dabei nicht nur seine dauerhaft dichte Ausführung und die Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Fugenbreiten. Vor allem das hohe Raumgewicht sorgt für wirksamen Schallschutz, während das offenzellige Material die einzelnen Wandplatten akustisch voneinander entkoppelt und zusätzlich Schalldämpfung übernimmt. Die zweite Abdichtungsebene besteht aus einem schwer entflammbaren Silikon mit ebenfalls hoher Dichte. Erst das Zusammenspiel beider Systeme verhindert zuverlässig, dass Schall hinter die „Weiße Haut“ gelangt.
(Autor: Andreas Prammer, )