Geboren in Venezuela, wuchs David in einem relativ sicheren Teil der Hauptstadt Caracas auf, interessierte sich früh für Musik und wagte es, zu träumen. Am 27. September 2002 war es dann so weit. David landete in Graz und startete dort als außerordentlicher Student an der Kunstuniversität, um die Sprache so schnell wie möglich zu erlernen.
In Linz beginnt`s
Zwei Jahre später zog er nach Linz, um sich an der Anton Bruckner Privatuniversität zu bewerben und wurde sofort aufgenommen. Die Freude war groß! Sein neuer Lebensabschnitt führte ihn tief in die kreative Linzer Szene. Er teilte sich eine WG mit zwei polnischen Tänzerinnen, zwei polnischen Tänzern und einem chinesischen Physiker – und lebte damit mittendrin statt nur dabei: zwischen Proben, Premieren und kreativen Nächten mit offenem Ende. Parallel dazu arbeitete er von Anfang an mit viel Einsatz in der Gastronomie, unter anderem in der Linzer Weinbar Divino und bei Diego’s Vinothek – wo nicht nur der Wein, sondern auch sein Netzwerk stetig reifte.
Abenteuer Europa
2009 brachte ihn ein Erasmus-Jahr nach Vilnius. Musiktheorie und Komposition standen am Stundenplan – Kulturschock inklusive. „Ich bekam ständig Essen, obwohl ich keines wollte“, erzählt er lachend. "Außerdem waren die Menschen dort verschlossener als hier. Aber auch das wurde Teil meiner Reise und hat mich in meinem Verständnis der europäischen Kultur bis jetzt geprägt." Heute spricht er fließend Spanisch, Deutsch und Englisch, dazu etwas Litauisch. 2011 konnte er sein Studium mit einem Master abschließen. 2012 erhielt er die Talentförderung für Musik und Komposition des Landes Oberösterreich. 2022 folgte sein zweites Masterstudium "Musik für Film und Medien" an der Donau-Uni Krems – denn Stillstand ist nicht sein Stil. Österreich wurde über die Jahre zu meinem "Vaterland", erzählt er stolz. "Missverständnisse, Vorurteile und kulturelle Unterschiede gehören da einfach dazu. Sie bieten aber gleichzeitig auch immer die Chance, sein Gegenüber besser verstehen zu lernen", plaudert David locker über seine Erfahrungen die letzten 20 Jahre hier in Linz. Venezuela ist und bleibt sein „Mutterland“ – mit Herzlichkeit und Temperament. "Aber Pünktlichkeit, Verlässlichkeit und Struktur – sind Werte, die mich wirklich weitergebracht haben", gesteht er mit einem Lächeln.
“Die Menschen nehmen, wie sie sind…”
Seit vier Jahren ist David bei Schachermayer. Er suchte nach der Gastronomie endlich Stabilität – auch, um seine Mutter langfristig finanziell unterstützen zu können. Er begann in der Verpackung und fand schließlich in der Abteilung K42 seinen Platz. „Hier passt alles“, sagt er: Kollegen, Wertschätzung und Umgang. "Wir kommen aus so vielen unterschiedlichen Ländern und arbeiten hier dennoch alle gut zusammen", freut sich David über die Unternehmensphilosophie. "Die Gesellschaft ist wie eine Schulklasse – bunt gemischt, und man muss die Menschen nehmen, wie sie sind", ist David überzeugt. Als Vater eines 17-jährigen Sohnes, ist er in Österreich so richtig angekommen. Er genießt den heimischen Einfluß genauso wie den Kontakt zur Linzer Latino-Community. Und die Musik? Die bleibt für immer. Laufend setzt er musikalische Projekte um, aktuell sammelt er im Rahmen eines Praktikums zusätzlich Erfahrung im Konzernmarketing – mit dem Ziel, Musik und Beruf noch stärker zu verbinden. David hat Kontinente gewechselt, Sprachen gelernt und Kulturen verbunden. Seine Lebensmelodie spielt zwischen südamerikanischem Salsa und österreichischem Schweinsbraten einen Dreivierteltakt – grandiose Mischung mit Charme.
Gastkommentar von David Longa: Österreich für Fortgeschrittene – ein Selbstversuch!
Kein Land ist besser als ein anderes Land, sondern die Zeit und die Realitäten sind unterschiedlich. Das Leben ist wie eine Schulklasse, in der man Menschen mit verschiedenen Persönlichkeiten trifft – und man sollte sie respektieren. Jedes Land hat sein eigenes „System“ oder seine eigenen „Regeln“, die man respektieren soll, auch wenn man die Mundart nicht sprechen kann. "I bin fost a Linza, oba no net gonz“. Als Migrant habe ich mit der Zeit keine Freunde, sondern eine Familie aus anderen Ländern und Kulturen gefunden. Mein Mutterland ist Venezuela, wo ich geboren und aufgewachsen bin. Mein Vaterland ist Österreich, das mir gezeigt hat, wie das Leben ist – mit Charakter und Prinzipien. Zum Beispiel Pünktlichkeit, die man als Venezolaner nicht so gut kennt, wobei „tranquilo“(ruhig | entspannt | keine Sorge!) oder „mañana“ (morgen) ab und zu auch gut funktionieren kann. Ich rede nicht viel darüber, aber in meinem Vaterland bin ich als Mensch gewachsen und habe gelernt, im Leben auf eigenen Füßen zu stehen. Kurz gesagt: Ich darf auch sagen, dass manche österreichischen Freunde mehr „Latino“ sind als ich – zum Beispiel bedeuten bei manchen Menschen 5 Minuten in Wirklichkeit 30 Minuten. Ab und zu bin ich sogar pünktlicher als sie. Respekt bedeutet in diesem Zusammenhang nicht nur, Regeln zu befolgen, sondern Menschen so zu schätzen, wie sie sind, und nicht aufgrund ihrer sozialen Herkunft, Kultur oder Denkweise zu beurteilen. Das war das Geheimnis meiner Integration in Österreich und dafür bin ich sehr dankbar.
