Ausgezeichnet: bis ins kleinste Detail

Beitrag veröffentlicht am: 11.09.2026 Kategorien: Alle News Praxis
Das Gebäude schmiegt sich über drei Ebenen an einen steilen Hang in den Hohen Tauern. © Glas+Metall Weissofner

#PRAXIS | Manche Gebäude beeindrucken durch ihre Größe. Andere durch ihre Form. Dieses Haus fasziniert vor allem durch Glas. Viel Glas. So viel, dass Innen- und Außenraum scheinbar miteinander verschmelzen. Was später so leicht und selbstverständlich wirkt, ist in Wahrheit das Ergebnis höchster Ingenieurskunst, präziser Planung und einer Montage am Limit des Machbaren.

Für genau dieses außergewöhnliche Projekt wurde das Unternehmen Glas+Metall Weissofner aus Schwarzach im Pongau mit dem Austrian Glastechnik Award 2024 in der Kategorie Glasbau Außenraum ausgezeichnet. Die renommierte Auszeichnung würdigt jedes Jahr Projekte, die den Werkstoff Glas technisch, handwerklich und gestalterisch auf ein neues Niveau heben. Entscheidend sind dabei nicht Größe oder Budget, sondern Innovationskraft, Ausführungsqualität und technischer Anspruch.

Symbiose: nächstes Level

Beeindruckende Natur und Landschaft, mit architektonischem Feingefühl symbiotisch zu verschmelzen ist eine Kunst, die dem Planungsbüro Mika bei diesem Einfamilienhaus überzeugend gelungen ist. Das Gebäude schmiegt sich über drei Ebenen an einen steilen Hang in den Hohen Tauern. Jede Etage folgt einem eigenen Grundriss und reagiert individuell auf das Gelände. Die kompromisslose Offenheit verbindet dabei alle drei Geschosse. Raumhohe Glasfronten ziehen sich über die gesamte Gebäudelänge und holen die imposante Berglandschaft direkt ins Wohnzimmer. Grenzen zwischen innen und außen verschwimmen dabei beinahe vollständig. Statt wie Fenster wirken die Fassaden wie transparente Wände, die das Panorama zum festen Bestandteil der Architektur machen. Damit dieses Projekt auch bestmöglich umgesetzt werden konnte, kam modernste Dreifach-Isolierverglasung mit speziellem Sonnenschutzglas zum Einsatz. Die Spezialverglasung reduziert den Wärmeeintrag durch Sonneneinstrahlung, ohne den Blick auf die Natur farblich zu verfälschen.

Glas wird Schwerstarbeit

Wer vor der fertigen Fassade steht, ahnt kaum, welcher Aufwand hinter ihrer eleganten Leichtigkeit steckt. Genau dort, wo Glas scheinbar schwerelos wirkt, begann für das Team von Glas+Metall Weissofner die eigentliche Herausforderung. Die vertikalen Glasstöße wurden als Nurglasverbindungen ausgeführt, lediglich oben und unten sorgen thermisch getrennte Aluminiumprofile für den konstruktiven Abschluss. Das schafft maximale Transparenz, machte den Einbau der großformatigen Scheiben jedoch zur Präzisionsarbeit. Da sich die Glasleisten auf der Innenseite befinden, konnten die schweren Dreifach-Isoliergläser nicht einfach von außen eingesetzt werden. Stattdessen mussten sie mit einem Spezialhebelarm schräg eingefädelt, millimetergenau zwischen tragenden Stahlstützen manövriert und anschließend von innen in ihre Endposition gezogen werden. Besonders spektakulär war die Montage im Obergeschoss. Die gebogenen Gläser wogen durch die zusätzliche absturzsichernde Verglasung jeweils rund 500 Kilogramm. Da der Kran die Elemente nur an einer einzigen Stelle anheben konnte, waren acht Monteure gefragt. Sie transportierten die Scheiben zunächst händisch zum Einbauort, bevor diese mithilfe von Kran und Spezialhebelarm Zentimeter für Zentimeter in ihre endgültige Position gebracht wurden.

Technik, die man nicht sieht

Nicht nur die Glasflächen prägen das Gebäude. Erst das Zusammenspiel mit der markanten Cortenstahl-Fassade verleiht dem Wohnhaus seinen unverwechselbaren Charakter. Der warme Rostton bildet einen spannenden Kontrast zur Transparenz der Glasflächen. Robustheit trifft Eleganz und Masse begegnet Leichtigkeit. Je nach Tageszeit und Lichteinfall verändert das Gebäude seine Wirkung: Mal spiegeln sich Himmel und Berge nahezu unsichtbar in den Fassaden, mal scheint das Haus förmlich mit seiner Umgebung zu verschmelzen.

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