Nach Lehre und Bundesheer verschlug es ihn allerdings noch kurzfristig in die Welt der Würste. In Freistadt betrieb er gemeinsam mit seiner damaligen Freundin ein Jahr lang einen Würstelstand. Wenig Schlaf, viel Gaudi und jede Menge Lebenserfahrung inklusive. „Das war intensiv“, erinnert er sich. Aber irgendwann siegte die Konstanz über die Currywurst. Karl kehrte zurück zu Schachermayer.
Vom Zettelchaos zur digitalen Pionierarbeit
Nach seinem Wiedereintritt führte ihn der Weg in den Bereich Möbelbeschläge, bald darauf wechselte er zu den Baubeschlägen – zunächst in die Kommissionierung, dann in den Verkauf. Ab hier begann eine Entwicklung, die nicht nur seine eigene war, sondern sich im gesamten Unternehmen widerspiegelte. „Die Arbeitswelt von damals hat mit der von heute kaum noch etwas zu tun“, erzählt Karl. Kein Internet, keine EDV, keine digitale Produktdatenbank – stattdessen Zettelwirtschaft und viel Handschlagqualität. Anfang der 90er-Jahre wurde ein Modernisierungsprozess angestoßen und die IT hielt langsam Einzug. Heute läuft alles schneller, strukturierter, effizienter – schlichtweg: eine andere Welt. Und doch: „Viele Probleme ließen sich auch heute noch am besten lösen, wenn man einfach miteinander redet“, ist er überzeugt. Karl hat diese neue Welt nicht nur miterlebt, sondern aktiv mitgestaltet. Er war der erste „Büromitarbeiter“ mit eigenem PC im Unternehmen. Beigebracht hat er sich alles selbst. Später hielt er IT-Schulungen im Haus, da der Bedarf in dieser Zeit enorm stieg.
Fachwissen zum Angreifen
Sein enormes Know-how aus Beratung und Verkauf machte ihn später, nach seinem Wechsel in den Einkauf, besonders wertvoll. Karl probierte Beschläge selbst aus, zerlegte sie, montierte sie, prüfte sie. Er wollte verstehen, wie Dinge funktionieren – im Detail. Gemeinsam mit Norbert Zuschrott war er federführend an der Entwicklung des Produktmarketings beteiligt. In diesem Kontext entstand damals das Produkt-Leistungs-Informations-System – PLIS. Alle spezifischen und wertvollen Produktinformationen wurden elektronisch erfasst. Rund um 2006 wurden daraus die ersten Kataloge automatisiert erstellt. Ein Meilenstein auf dem Weg in die moderne Produktwelt. Mit der Übernahme des Unternehmens durch Gerd Schachermayer im Jahr 2008 wurde die Organisationsstruktur neu gedacht: Kunden sollten nur noch einen direkten Ansprechpartner im Außendienst haben. Das war auch gleichzeitig die Geburtsstunde der Fachabteilungen. Karl war von Anfang an dabei. Heute leitet er die Fachabteilung Baubeschläge – ein Kompetenzzentrum mit geballtem Know-how, intensiver Zusammenarbeit und höchstem Qualitätsanspruch.
SOLIDO – Wenn aus Ideen Innovationen werden
Ein besonderes Kapitel trägt den Namen SOLIDO. 2002 wurde der Relaunch durch Roland Schachermayer angestoßen. Die Vision: Produkte, so gut wie die besten am Markt – zu günstigeren Preisen. Karl entwickelte im Bereich Baubeschläge eigene SOLIDO-Drücker mit Kugellager – technisch hochwertig und langlebig. Für Türbänder kamen wartungsfreie Gleitlager aus seiner Feder. Weiter ging es mit Schiebetürbeschlägen aus Aluminium statt Eisen. Dann kam die Entwicklung und Einführung des Soft-Stopp-Systems bei Schiebetüren – damals eine Weltneuheit. Heute wird SOLIDO im Bereich Baubeschläge als hochwertige Marke wahrgenommen – und Karl? Er spricht darüber mit ruhiger Selbstverständlichkeit, als wäre es das Normalste der Welt, Innovationen auf den Weg zu bringen.
Mensch mit Herz und Horizont
Neben der Arbeit schlägt sein Herz seit 1987 für das Ehrenamt: als Rettungssanitäter beim Roten Kreuz und aktiv bei der Feuerwehr. Verantwortung übernehmen zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben. Als Ausgleich liebt er fischen und das Meer. Dazu hat er die Ausbildung zum Skipper absolviert. In der Pension möchte er ein Boot kaufen und gemeinsam mit seiner Frau von Kiel nach Griechenland segeln. Denkt er an seinen Abschied, ist da ein lachendes und ein weinendes Auge. Das lachende freut sich auf mehr Zeit als Opa, aufs Reisen, aufs Enkelkind-Verwöhnen. Das weinende weiß: Die Schachermayer-Familie ist eine aufrichtige, wertvolle Gemeinschaft. „Das wird mir fehlen“, sagt er. Wer ihm zuhört, weiß: Manche Türen schließt man nicht ganz. Man lässt sie angelehnt.
(Autor: Andreas Prammer, )
