Zwölf Spezialisten der Berufsfeuerwehr waren angereist, um im Rahmen einer besonderen Schulung moderne Sicherheitsschlösser auf Herz und Nieren zu testen. Als Gastgeber konnte die Sparte Sicherheitstechnik von Schachermayer für die perfekten Rahmenbedingungen sorgen, um die Linzer Berufsfeuerwehr auf den neuesten Stand zu bringen. Gemeinsam mit Winkhaus wurden eine ideale Trainingsumgebung geschaffen. „Wir stellen den Einsatzkräften unsere Örtlichkeiten natürlich gerne zur Verfügung“, erklärt Roland Schweighofer, Leiter der Sicherheitstechnik bei Schachermayer. So wurde das Anarbeitungszentrum kurzerhand zur Versuchswerkstatt für Einbruchstechniken – oder besser gesagt: für deren Grenzen.
Training für den Ernstfall
Die Idee hinter der Schulung ist ebenso einfach wie sinnvoll. Wenn die Feuerwehr zu einem Einsatz gerufen wird, etwa bei einer verschlossenen Wohnung, in der eine Person Hilfe benötigt, zählt jede Minute. Gleichzeitig gilt es, möglichst wenig Schaden anzurichten. Die Tür komplett zu zerstören ist selten die beste Lösung. Idealerweise wird nur das Schloss geöffnet. Dafür braucht es viel Wissen und Erfahrung.
Genau hier setzt das Konzept der Schulung an: ein klassisches „Train the Trainer“-Programm. Die zwölf Feuerwehrleute werden ausgebildet, um anschließend selbst als Ausbilder in ihre Einheiten zurückzukehren und dort ihr Wissen weiterzugeben, sowohl in der Hauptfeuerwache Linz als auch in der Feuerwache Nord in St. Magdalena. Geleitet wird die Schulung von Hauptausbilder und Brandinspektor Siegfried Kehrer, der seine Kollegen durch die Welt moderner Sicherheitstechnik führt – denn diese Welt hat es in sich.
Schlösser, die es ernst meinen
Vor den Feuerwehrleuten stehen verschiedene Türen – ausgestattet mit unterschiedlichsten Sicherheitssystemen. Darunter Modelle mit Kernziehschutz, hochwertige Sicherheitsbeschläge oder moderne Zylindersysteme wie der Winkhaus Sicherheitszylinder mit 6-Stift-System oder das EVVA 3KS-System. Die Aufgabe der Feuerwehr: herausfinden, wie widerstandsfähig diese Systeme sind, und wie man sie im Ernstfall möglichst schonend überwinden kann. Das erste Schloss hält erstaunlich lange durch. Neun Minuten kämpfen die Einsatzkräfte, bevor es schließlich nachgibt. Zum Vergleich: Die Polizei sagt, dass Einbrecher normalerweise nach etwa drei Minuten aufgeben. Mit anderen Worten: Wer dieses Schloss vor der Tür hat, kann sich ziemlich sicher fühlen.
Training bis zum letzten Splitter
Im Anarbeitungszentrum wurde an diesem Tag nichts geschont. Türen, Türstöcke und Schlösser systematisch bis zur Zerstörung bearbeitet. Für die Feuerwehr ist das eine seltene Gelegenheit, Materialien, Mechaniken und Widerstände genau kennenzulernen. Besonders spannend wird es bei elektronischen Schließsystemen. Hier zeigt sich schnell: Die digitale Variante kann mitunter noch schwieriger zu überwinden sein als klassische Zylinder. Doch die wichtigste Erkenntnis der Schulung hat erstaunlich wenig mit Hightech zu tun. Genauer gesagt: mit menschlicher Gewohnheit. „Eine nicht zugesperrte Tür ist eine offene Tür – und ein gekipptes Fenster ist ein offenes Fenster“, lautet eine der zentralen Botschaften des Tages. Manchmal kann Sicherheit eben doch ganz einfach sein.
Wenn Technik Leben retten kann
Für die Berufsfeuerwehr geht es bei solchen Trainings nicht um Einbruch, sondern um Präzision. Je besser die Einsatzkräfte wissen, wie moderne Sicherheitstechnik funktioniert, desto schneller und schonender können sie im Ernstfall handeln. „Wir konnten hier sehr wichtige Erkenntnisse zu Materialien und zu schonenden Methoden der Öffnung mitnehmen“, erzählt Siegfried Kehrer nach der Schulung. Genau darin liegt der eigentliche Wert dieser Zusammenarbeit: Wissen wird geteilt, Erfahrungen werden gesammelt und am Ende profitieren alle davon. Die Feuerwehr, weil sie im Einsatz schneller und effizienter arbeiten kann. Die Bewohnerinnen und Bewohner, weil ihre Türen im Idealfall heil bleiben. Und die Sicherheitstechnik, weil sie zeigt, was wirklich in ihr steckt.
(Autor: Andreas Prammer, )