Ein Restaurant unter Wasser

Ein Restaurant unter Wasser
"Under" bedeutet auf norwegisch sowohl unter als auch Wunder. Das norwegische Lindesnes liegt an einem stark dem Wetter ausgesetzten Küstenabschnitt, Norwegens südlichste Spitze. Hier, in dieser rauen Umgebung steht nun das weltweit größte Unterwasserrestaurant. Halb im Meer versunken bricht der 34 Meter lange Monolith die Meeresoberfläche, um am Meeresboden in fünf Metern Tiefe zu versinken.

Auf den ersten Blick scheint "Under" tatsächlich gerade unter zu gehen. Doch dieser Eindruck täuscht, denn das Restaurant hat einen felsenfesten Platz in der Bucht, genau wie seine natürlich geformten Nachbarn. Die Betonwände sind einen halben Meter dick und halten den Gegebenheiten der schroffen Küste stand. Die Struktur wurde vom Architekturbür Snøhetta auch gewählt, um sich im Laufe der Zeit ganzheitlich in seine maritime Umgebung zu integrieren. Schnecken und Seetang werden das künstliche Riff bald besiedelt haben.

Vom Land ins Meer
"Under" wurde als Betonröhre auf einem Lastkahn 20 Meter von der Küste entfernt gebaut. Auch die Fenster wurden vorab installiert. Als es zur See gelassen wurde, trieb es von selbst auf der Oberfläche, wurde von einem Kran und Schleppern an seinen endgültigen Standort gehievt. Nachdem das Bauwerk untergegangen war, wurden die restlichen Arbeiten fertiggestellt und an einem, am Meeresboden verankertem, Betonpflock angeschraubt. Um sicherzustellen, dass alle Schrauben fest angezogen wurden, fluteten die Bauarbeiter das gesamte Konstrukt, kontrollierten die Verschraubungen und ließen das Wasser wieder ablaufen, um den Weg für die Arbeiten im Inneren frei zu machen.

Sichtlich durchdacht
Wie ein versunkenes Periskop bietet das elf Meter lange und über drei meter hohe Fenster des Restaurants einen Ausblick in die sich ständig ändernde Welt des Meeresbodens der wilden Nordsee. Ein durchdachtes Lichtkonzept verringert die Spiegelung am Fenster und bietet subtile, aber zielgerichtete Beleuchtung. In der Nacht wird der Meeresboden künstlich in Licht getaucht, um Fische anzulocken. Auch die Innenarchitektur folgte der Exklusivität und überzeugt durch ein einzigartiges Farb- und Materialkonzept. Im Eingangsbereich erwartet einen unbehandeltes norwegisches Eichenholz, das zum Speisesaal hin immer feiner verarbeitet wurde. Die Möbel im Gästeraum wurden eigens für das Projekt designed.

Ganzheitlich geplant
Das Restaurant dient auch Meeresbiologen als Forschungsstation. Schon bei der Planung wurde diese Funktion als wichtiger Faktor mit einbezogen. An der Aussenfassade wurden Kameras und andere Messinstrumente montiert, den Forschern ist es außerdem durch die extravagante Lage möglich, über längere Zeit in angenehmer Atmosphäre zu arbeiten. Erste Erfolge stellten sich schnell ein, es wurde schon eine Quallenart entdeckt, von der man nicht wusste, dass sie in dieser Umgebung vorkommt.



Mehr zu den Projekten des Architekturbüros Snøhetta finden Sieauf dieser Website.
Hier kommen Sie zur Website des Restaurants.

Fotos: Inger Marie Grini/Bo Bedre Norge, André Martinsen, IVAR KVAAL


15. Oktober 2019 | nis | Facebook | Twitter